Niemand darf dir das Gefühl geben, nicht gut genug zu sein! Schon gar nicht du selbst!

Vor ein paar Tagen begegnete mir eine sehr liebe Frau, die sich für einen neuen Job in einer höheren Position beworben hatte. Sie hatte ihn nicht bekommen und sie erklärte mir warum: „Ich war wohl nicht gut genug!“

„NEIN!!!!“ hätte ich am liebsten geschrien! Es hatte garantiert nichts damit zu tun, dass sie nicht gut genug war.

Niemand kann uns aufgrund von Bewerbungsschreiben oder Zeugnissen beurteilen. Er erhält einen Einblick über unseren Werdegang, jedoch nicht über unsere tatsächlichen Fähigkeiten und Talente. Ich habe schon Menschen erlebt, die schlechte Zeugnisse hatten und den Job ihrer Wahl trotzdem bekommen haben. Warum? Weil sie an sich glaubten! Weil sie daran glaubten, dass sie gut sind! Ihnen wäre niemals in den Sinn gekommen, zu denken, sie seien nicht gut genug. Sie waren von sich und ihrer Leistung überzeugt und strahlten dies in ihrer ganzen Persönlichkeit aus, auch im Bewerbungsschreiben.

(Umgekehrt habe ich das Gegenteil leider auch schon oft erlebt: Tolle Zeugnisse, aber keine Fähigkeiten – das fliegt aber meist recht schnell auf. ? Diese Menschen brausen sehr schnell auf, wollen immer Recht behalten und fühlen sich permanent persönlich angegriffen – bewusste Inkompetenz nennt man das.)

So lange die oben erwähnte Frau sich selbst immer wieder (unbewusst) sagt, sie sei nicht gut genug, wird sie immer wieder die gleichen negativen Erfahrungen machen, weil sich dieser Glaubenssatz in allem spiegelt, was sie tut. Das heißt, sie glaubt nicht an sich und handelt, wirkt vielleicht unsicher und erntet dementsprechende Ergebnisse. Daraufhin glaubt sie leider immer intensiver daran, dass sie nicht gut genug ist. Ein Kreislauf, der unbedingt unterbrochen werden muss. Ich bin mir sicher, dass ich ihr ein paar hilfreiche Impulse dazu gegeben habe. Wichtig ist jedoch für sie, dran zu bleiben.

Wann immer DU Dich dabei ertappst, zu glauben, Du seist nicht gut genug, frage Dich: Würdest Du das jemals zu jemand anderen sagen? Würdest Du ihm ins Gesicht sagen: Hey du bist nicht gut genug! – Nein, ich glaube nicht, dass du so verletzend wärst. Genauso einfühlsam solltest Du auch mit Dir selbst umgehen.

Wenn Du das Gefühl hast, nicht gut genug zu sein, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Du bewertest Dich als Person (Identitäts-Ebene) und Deine Selbsteinschätzung ist vielleicht sehr kritisch. Dann begib Dich in eine andere Perspektive und frage Dich, was Deine beste Freundin oder Dein bester Freund dazu sagen würde. Wie würde er Dich einschätzen? Ich bin mir sehr sicher, dass die Antwort sehr viel positiver ausfallen würde. Diese solltest Du als Wahrheit anerkennen oder zumindest Deine eigene Antwort noch einmal hinterfragen.

2. Du bewertest Deine Leistung (Fähigkeiten-Ebene). Wenn es sich um Fähigkeiten handelt, frage Dich, was Du tatsächlich verbessern kannst, wenn es Dir so wichtig ist. Du kritisierst hier also nicht Dich als Person, sondern Deine Handlungen oder Fähigkeiten. Diese zu verbessern macht Dich vielleicht erfolgreicher und selbstbewusster. Wenn Du Deine Leistung als nicht gut genug empfindest, trainiere so lange, bis Du zufrieden bist.

Es ist also ein sehr großer Unterschied, ob ich sage: „Ich bin nicht gut genug“ oder „Meine Leistung ist nicht gut genug“. Spürst Du es? Der Selbstangriff auf der Identitäts-Ebene trifft Dich weitaus mehr als die Feststellung, dass Deine Fähigkeiten noch erweiterbar sind.

Wann immer Dir also jemand das Gefühl gibt, Du seist nicht gut genug, frage Dich zuerst: Meint er das wirklich oder denke ich das gerade selbst über mich?

Wie bei so vielen Dingen im Leben fängt auch das „Nicht gut genug zu sein-Gefühl“ bei uns selbst an. Der erste Schritt könnte also sein, dass Du an Dich glaubst und selbstkritische Gedanken hinterfragst. Sollten Dir derartige negative Äußerungen von außen, also von Mitmenschen, begegnen, setze Grenzen und sei Dir Deines wirklichen Wertes bewusst!

Kommunikations-Tipp:

Wann immer jemand Dich mit „Du hast, Du bist, Du musst, Du…“ anspricht und es löst ein negatives Gefühl in Dir aus, versuche diesem Gefühl nicht zu viel Raum zu geben. Verschiebe den „Vorwurf“ Deines Gegenübers auf Deine Verhaltens-Ebene. Menschen, die mit negativen Du-Botschaften kommunizieren, wissen es nicht besser. Sie wissen nicht, dass sie Menschen damit auf der Identitäts-Ebene angreifen. Du hingegen weißt es ab heute und versuche bitte dementsprechend wertschätzend mit anderen Menschen zu kommunizieren. Es wird Dir nicht von heute auf morgen gelingen, aber Du kannst es trainieren, weil es sich um eine Fähigkeit handelt. Trainiere und Du wirst Deine Kommunikation mit anderen Menschen verfeinern und vereinfachen. Ich bin sicher, dass dadurch so mancher Konflikt gar nicht erst entsteht. Probiere es aus! Du wirst staunen!

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