Missverständnisse vermeiden durch selbstsicheres Auftreten

Kennst du diese typische Situation aus dem Straßenverkehr: Ein Autofahrer möchte einen Fußgänger über die Straße lassen, obwohl er eigentlich selbst Vorfahrt hat. Also hält er an und signalisiert, der Fußgänger soll gehen. Der Fußgänger möchte höflich sein und zeigt dem Autofahrer an, dass er ruhig zuerst fahren kann. Beide sind aber irgendwie unsicher, gehen oder fahren ein kleines Stück vor, halten dann an, signalisieren wieder – so kann das manchmal einen peinlich langen Moment weiter gehen. Dabei ist die Situation eigentlich klar geregelt. Das Missverständnis gab es nur, weil der Autofahrer aus irgendeinem Grund zuvorkommend sein wollte, aber beide Teilnehmer unsicher waren.

Ein anderes Beispiel: Ein junger Chef fühlt sich unwohl damit, Anweisungen zu verteilen. Also gibt er seine Anweisungen in einem lustigen, unverbindlichen Tonfall – die Angestellten verstehen die Anweisung aber als unverbindlichen Vorschlag und setzen sie nicht komplett um. Oder: Der Chef fragt einen Angestellten nach Fortschritten bei einem Projekt. Der Angestellte wird nervös, weil er es nicht genau weiß, gibt aber eine ungenaue Antwort, um nicht dumm dazustehen. Der Chef denkt jetzt, dass es im Projekt schlecht voran geht und bestellt den Projektleiter zu sich.

Oder du hast deine Freunde zum Essen eingeladen und sagst „kommt, wann ihr Zeit habt“, um sie nicht unter Druck zu setzen – obwohl das Essen genau um 19 Uhr bereit zum Servieren ist. Dann wartest du und ärgerst dich über deine unzuverlässigen Freunde.

Die Falle der Unverbindlichkeit

All diese Situationen wären besser verlaufen, wenn die beteiligten Personen den Mut aufgebracht hätten, eine verbindliche und konsequente Aussage zu treffen. Aber warum fällt uns das so schwer, obwohl es uns immer wieder zu Missverständnissen und frustrierenden Situationen führt? Ganz einfach: Wer wenig Selbstvertrauen hat, scheut sich oft davor, verbindliche Aussagen zu treffen.

Vielleicht aus Angst vor negativen Reaktionen, vielleicht aus Angst davor, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Oft treffen sogar beide Gründe gleichzeitig zu. Manchmal wird diese Unverbindlichkeit sogar zur Gewohnheit, mit der man sich selbst vor Problemen und Konfrontationen schützen will. Leider klappt das nicht, denn wie du gesehen hast, führt dieses Verhalten zu vielen Missverständnissen.

Aber wie kannst du lernen, verbindlicher und konsequenter zu kommunizieren? Es hilft, an deinem Selbstvertrauen zu arbeiten. In der Arbeit mit Pferden habe ich oft festgestellt, dass der geschützte Rahmen, nicht im Büro, sondern mit einem sanftmütigen, vertrauensvollen Tier, sehr hilfreich dabei sein kann, eindeutiges und konsequentes Kommunizieren zu üben. Denn unklare Signale und fehlendes Selbstvertrauen verunsichern das Pferd – Schritt für Schritt kann man über das Feedback, das man vom Pferd bekommt, sein eigenes Verhalten besser reflektieren und verändern. So oder so – wenn du immer wieder frustrierende Missverständnisse erlebst, dann solltest du prüfen, ob du nicht in der Falle der Unverbindlichkeit gefangen bist.

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